Die sensibelste Schnittstelle im Gebäude
Gerade bei komplexen Projekten entsteht das Risiko nicht im Material – sondern in der fehlenden Schnittstellenkoordination.
Das neue Merkblatt zur Bauwerksabdichtung bringt mit der „maximalen Wasseranstauhöhe (max. WAH)“ einen klaren Planungsparameter ins Spiel.
Wir haben die wichtigsten Punkte strukturiert zusammengefasst – mit Systemdarstellung und Einordnung für die Praxis.
Bodentiefe Fenster- und Türelemente wirken architektonisch leicht – technisch sind sie es nicht.
Mit dem neuen Merkblatt MO-05/1 „Schnittstelle Bauwerksabdichtung – Baukörperanschluss bodentiefer Elemente“ wird deutlich:
Der Bodenanschluss ist keine reine Montagefrage, sondern eine koordinationspflichtige Systemzone zwischen mehreren Gewerken.
Gerade bei komplexen Projekten lohnt sich eine strukturierte Betrachtung.
Die Schnittstelle – vereinfacht dargestellt
Innenraum
│
│ Fenster-/Türkonstruktion
▼
┌──────────────────────────────┐
│ Schwellenkonstruktion │ ← max. WAH
└──────────────────────────────┘
▲
│ Übergangsbereich
│ (stauwasserdicht!)
▼
┌──────────────────────────────┐
│ Bauwerks-/Terrassen- │
│ abdichtung (wasserdicht) │
└──────────────────────────────┘
│
▼
Entwässerungssystem
(Haupt- & Notentwässerung)
Entscheidend ist nicht ein Bauteil – sondern das Zusammenspiel.
Drei Ebenen der Dichtheit
Das Merkblatt differenziert erstmals klar:
1. Oberhalb der maximalen Wasseranstauhöhe
→ schlagregendicht
2. Übergangsbereich
→ stauwasserdicht
3. Unterhalb
→ wasserdicht (Abdichtungssystem)
Ohne definierte max. WAH (maximale Wasseranstauhöhe) fehlt die planerische Bezugsgröße für diese Staffelung.
Typische Konfliktzone bei komplexen Projekten
Barrierefreiheit vs.150 mm Abdichtungshochzug
Der sogenannte „vertiefte Einbau“ wird als besondere Planungssituation definiert. Das bedeutet:
Barrierefreiheit bleibt möglich – aber nur mit:
abgestimmten Höhenlagen innen und außen
definiertem Gefälle
dimensionierter Entwässerung
korrekt positionierter Notentwässerung
geeigneter Schwellenkonstruktion
Das ist Planungsleistung – keine Detailkorrektur in der Bauphase.
Die Planungsleistung ist besonders relevant bei:
Mehrfamilienhäusern
Dachterrassen
öffentlich gefördertem Wohnungsbau
erdberührten Bauteilen
barrierefreien Übergängen
reduzierten Aufbauhöhen
Sanierungen mit Bestandszwängen
In diesen Projekten entstehen Schäden selten durch Materialfehler – sondern durch fehlende Schnittstellenkoordination.
Was das für Ihre Planung bedeutet
✓ Höhenlagen müssen vor Ausführung definiert sein
✓ Entwässerung gehört ins Schwellendetail
✓ max. WAH ist ein Planungsparameter
✓ Fensterbauer und Abdichter benötigen abgestimmte Werkplanung
✓ Keine Ausführung ohne bestätigte Detailfreigabe
Unser Ansatz in der Projektpraxis
Als Fachbetrieb mit eigener Schreinerei begleiten wir Projekte nicht nur in der Ausführung, sondern frühzeitig in der Detailabstimmung – insbesondere bei:
individuellen Schwellenkonstruktionen
Anschlussflansch-Lösungen
Sonderprofilen
Bestandsanpassungen
2-stufigen Einbausystemen für spätere Austauschbarkeit
Fazit
Gerade bei komplexen Bauvorhaben zahlt sich eine frühzeitige Abstimmung zwischen Planung und Ausführung aus.
Wenn Sie sich in einem Projekt befinden, bei dem diese Schnittstelle eine Rolle spielt, sprechen Sie uns gerne in der Entwurfs- oder Werkplanungsphase an.
Quelle:
Grundlage ist das Merkblatt MO-05/1 „Schnittstelle Bauwerksabdichtung – Baukörperanschluss bodentiefer Elemente“, ift Rosenheim, 2025.